Memmingen: Neuer Erinnerungsort gibt Sternenkindern einen Platz

Eine Gruppe von Menschen versammelt sich nachdenklich bei einer Gedenkfeier im Freien vor Stelen.

Auf dem Waldfriedhof Memmingen können Familien an einem neu gestalteten Grabfeld Abschied nehmen und ihrer Sternenkinder gedenken. Farbige Glaskugeln mit den Namen der verstorbenen Kinder werden dafür in eine Stele eingesetzt. Das erweiterte Grabfeld beim Weißen Engel wurde in dieser Woche gesegnet. Für Eltern verbindet es künftig die Beisetzung mit einem sichtbaren Ort der Erinnerung; auch Geschwisterkinder sind dort willkommen.

Gestaltet wurde der Erinnerungsort vom Verein Sternenkinder Memmingen e.V. gemeinsam mit dem Klinikum Memmingen und dem städtischen Garten- und Friedhofsamt. Sponsoren und zahlreiche Einzelspenden unterstützten die Neugestaltung. Anlass für die Arbeiten war, dass die bestehende Grabstätte in die Jahre gekommen war. Die Planungen für Erweiterung und Erneuerung begannen 2024.

Namenskugeln bleiben zunächst ein Jahr in der Stele

Eltern können eine farbige Glaskugel auswählen und den Namen ihres Kindes eingravieren lassen. Bei der Beisetzung wird die Kugel in eine Stele eingesetzt. Dort bleibt sie ein Jahr; danach kann die Familie sie mit nach Hause nehmen. Das Einsetzen kann selbst Teil eines persönlichen Abschiedsrituals werden, erklärte Bildhauerin Lioba Abrell, die das Grabfeld gestaltet hat.

Memmingen: Neuer Erinnerungsort gibt Sternenkindern einen Platz

Die Stele besteht aus Muschelkalk und greift die Kugelform in einer konkaven Mulde auf. Sie steht laut Abrell für den Platz, den das Kind im Leben seiner Familie behält. Eine waagerechte Nut symbolisiert den Einschnitt durch den Verlust; auf einer Seite geht sie in den Schriftzug „In Liebe“ über. Die Kugel steht für die Bildhauerin außerdem für Unendlichkeit, da sie weder Anfang noch Ende habe.

Bänke und Bepflanzung ergänzen den geschützten Bereich. Hinzu kommt eine Kugelbahn aus Muschelkalk, die auch für Geschwisterkinder gedacht ist. Sie können dort spielen und den Erinnerungsort auf ihre eigene Weise erleben. Die zweite Vorsitzende des Vereins, Stephanie Weißfloch, beschrieb den Ort als Platz, an dem Geschwister willkommen seien und Kind sein könnten.

Memmingen: Neuer Erinnerungsort gibt Sternenkindern einen Platz

Ein Ort, den Familien in Memmingen seit Jahrzehnten nutzen

Als Sternenkinder werden Kinder bezeichnet, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben. In Memmingen werden sie bereits seit den 1990er Jahren bestattet, also lange bevor die Bestattungspflicht 2005 in Kraft trat. Schon damals sei erkannt worden, wie wichtig ein Ort für Abschied und Trauer sei, sagte Sonja Schalk, Vorsitzende des Vereins Sternenkinder Memmingen.

Oberbürgermeister Jan Rothenbacher dankte den Ehrenamtlichen, dem Klinikum und dem städtischen Amt für ihren Einsatz. Bei der Eröffnung betonte Klaus Holetschek, ehemaliger Staatsminister und Vorsitzender der Landtagsfraktion, dass Trauer sichtbar gemacht werden müsse. Für betroffene Familien bietet das erneuerte Grabfeld damit einen konkreten Platz für Beisetzung und Erinnerung; die Namenskugel kann nach einem Jahr aus der Stele mit nach Hause genommen werden.

Memmingen: Neuer Erinnerungsort gibt Sternenkindern einen Platz

Grabfeld wurde von Seelsorgern gesegnet

Die Einweihung fand bei einer Feierstunde am Waldfriedhof statt. Diakon Winfried Eichele, Leiter der katholischen Klinikseelsorge, und Pfarrer Matthias Striebeck segneten das neu gestaltete Grabfeld. Die Angaben zur Neugestaltung stammen aus einer Mitteilung der Pressestelle der Stadt Memmingen vom 30. Oktober 2026.

Quelle: City of Memmingen News

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