Winterreifen prüfen: Der Selbstcheck vor dem ersten Frost

Nahaufnahme eines Winterreifens mit Frostschicht auf dem tiefen Reifenprofil vor der Fahrt.

Von der Malerbrd-Redaktion

Wer vor dem ersten Frost Profil, Reifenzustand und Luftdruck prüft, erkennt viele Probleme, bevor eine Fahrt auf glatter Straße ansteht. In Deutschland richtet sich die Pflicht zu geeigneter Bereifung nach den Straßenverhältnissen, nicht nach einem festen Kalenderdatum. Dieser Selbstcheck dauert etwa 20 Minuten. Zeigen sich Schäden, ungleichmäßiger Abrieb oder Zweifel an der Eignung der Reifen, ist ein Werkstatttermin sinnvoll.

Zuerst alle vier Reifen ansehen

Stellen Sie das Auto sicher ab, schalten Sie den Motor aus und prüfen Sie jeden Reifen bei gutem Licht. Schauen Sie auch auf die Innenseite, soweit sie ohne Eingriff am Fahrzeug sichtbar ist. Ein einzelner unauffälliger Reifen sagt wenig über den Zustand des ganzen Satzes aus.

  • Profil: Prüfen Sie die Tiefe an mehreren Stellen der Lauffläche. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 Millimeter. Für winterliche Fahrten wird häufig ein Wechsel schon bei weniger als 4 Millimetern empfohlen, weil die Reserven auf Schnee und Matsch abnehmen.
  • Verschleiß: Ist eine Schulter deutlich stärker abgefahren als die andere, sollten Luftdruck, Fahrwerk und Achsgeometrie geprüft werden. Gleiches gilt für auffällige glatte Stellen.
  • Schäden: Suchen Sie nach Schnitten, Rissen, Beulen und Fremdkörpern. Ziehen Sie einen eingefahrenen Nagel nicht selbst heraus; der Reifen könnte danach schnell Luft verlieren.
  • Reifenalter: Die vierstellige DOT-Nummer auf der Reifenflanke nennt Produktionswoche und -jahr. Das Alter allein entscheidet nicht über die Eignung. Verhärtung, Risse und die Einschätzung einer Fachkraft sind ebenfalls wichtig.

Ein Reifen mit sichtbarer Beule oder tiefem Schnitt gehört zeitnah fachlich beurteilt. Fahren Sie bei erkennbar beschädigtem Reifen nicht einfach wie gewohnt weiter.

Luftdruck am kalten Reifen messen

Messen Sie den Luftdruck möglichst vor der Fahrt oder nach einer kurzen Strecke. Der passende Wert steht üblicherweise in der Betriebsanleitung oder auf einem Aufkleber am Fahrzeug, etwa an der Türsäule oder Tankklappe. Er kann sich je nach Beladung unterscheiden. Der Höchstwert auf der Reifenflanke ist kein Ersatz für die Vorgabe des Fahrzeugherstellers.

Prüfen Sie alle vier Reifen und, falls vorhanden, das Reserverad. Ergänzen Sie Luft entsprechend der Fahrzeugangabe und verschließen Sie anschließend die Ventilkappen. Kontrollieren Sie den Druck nach einigen Tagen erneut, wenn zuvor ein Reifen deutlich zu wenig Luft hatte. Verliert er wieder Druck, sollte eine Werkstatt nach Ventil- oder Reifenschäden suchen.

Winterreifen prüfen: Der Selbstcheck vor dem ersten Frost

Eine Warnung des Reifendruckkontrollsystems ersetzt die Messung nicht vollständig. Je nach System erscheint sie erst, wenn eine Abweichung bereits deutlich ist. Nach einer Druckkorrektur oder einem Radwechsel kann außerdem ein Zurücksetzen nach Betriebsanleitung nötig sein.

Bei winterlichen Straßenverhältnissen zählt die Bereifung

In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht: Entscheidend sind die tatsächlichen Straßenverhältnisse, etwa Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch sowie Eis- oder Reifglätte. Ein milder Oktobertag löst die Pflicht nicht allein aus. Umgekehrt kann sie bereits vor dem üblichen Reifenwechseltermin relevant werden.

Für Fahrten unter solchen Bedingungen kommt es auf die vorgeschriebene Wintertauglichkeit und Kennzeichnung der Reifen an. Achten Sie auf das Alpine-Symbol, einen Berg mit Schneeflocke, auf der Reifenflanke. Die frühere Kennzeichnung „M+S“ allein reicht nach Ablauf der Übergangsregelung für entsprechende Fahrten nicht mehr aus. Das gilt auch bei Ganzjahresreifen: Ihre Bezeichnung im Handel ersetzt den Blick auf die Reifenflanke nicht.

Prüfen Sie vor der Fahrt die aktuellen amtlichen Vorgaben, wenn Sie bei Kennzeichnung, Fahrzeugklasse oder einer Sonderregel unsicher sind. Bei Reisen ins Ausland können andere Anforderungen gelten. Ein Reifen, der für eine Fahrt in Deutschland geeignet ist, erfüllt deshalb nicht automatisch jede Regel am Reiseziel.

Wann ein Werkstatttermin nötig ist

Vereinbaren Sie einen Termin, wenn die Profiltiefe knapp wird, ein Reifen einseitig abläuft oder Sie Schäden an Flanke und Lauffläche entdecken. Auch wiederholter Druckverlust, ungewöhnliche Vibrationen und ein verändertes Lenkgefühl gehören abgeklärt. Die Werkstatt kann prüfen, ob eine Reparatur zulässig und sinnvoll ist oder der Reifen ersetzt werden muss.

Winterreifen prüfen: Der Selbstcheck vor dem ersten Frost

Sind nur zwei Reifen neu, sollten Auswahl und Montage zum Fahrzeug und zur bestehenden Bereifung passen. Lassen Sie sich insbesondere bei unterschiedlichen Reifentypen oder Größen beraten; zulässige Kombinationen ergeben sich aus den Fahrzeugvorgaben. Nach dem Radwechsel empfiehlt sich eine erneute Kontrolle des Luftdrucks und der Radbefestigung nach den Hinweisen der Werkstatt beziehungsweise des Fahrzeugherstellers.

Was bei einem Unfall für die Versicherung zählt

Ungeeignete Reifen können nach einem Unfall rechtliche und finanzielle Folgen haben. Ob das im konkreten Fall geschieht, hängt unter anderem von den Straßenverhältnissen, der Unfallursache und dem Versicherungsvertrag ab. Eine pauschale Aussage, dass der Versicherungsschutz automatisch entfällt, wäre falsch.

Bei der Kaskoversicherung kann insbesondere grob fahrlässiges Verhalten eine Rolle spielen. In der Kfz-Haftpflicht bleiben Ansprüche geschädigter Dritter grundsätzlich ein eigener Punkt; mögliche Folgen im Verhältnis zwischen Versicherer und Fahrer oder Halter sind davon zu unterscheiden. Wer einen konkreten Schadenfall klären muss, sollte die Vertragsbedingungen und die Bewertung des Einzelfalls prüfen lassen.

Für den nächsten Kälteeinbruch ist der praktische Schritt einfacher: Prüfen Sie Reifen und Luftdruck frühzeitig, lesen Sie die Kennzeichnung direkt an der Flanke ab und buchen Sie bei auffälligem Verschleiß oder Schäden einen Werkstatttermin, bevor winterliche Straßenverhältnisse die Fahrt erschweren.

Quelle: Editorial research

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